Was tust du, wenn dein Nachtzug nach Berlin zwei Stunden zu früh abfährt und du nachts in Basel strandest? Die Bahngesellschaften schieben sich die Schuld zu, doch das eigentliche Erwachen kommt im Hotel. Dort erlebt man nicht nur bürokratische Hürden, sondern eine erschreckende menschliche Kälte.
Die „Walk-in“-Falle: Strafe für die Notlage
Wer nachts verzweifelt an der Rezeption steht, wird oft wie ein Bittsteller behandelt. Anstatt Hilfe zu leisten, wird die Notlage ausgenutzt. Während online vielleicht günstigere Raten stehen, verlangen viele Hotels von Gästen, die direkt von der Straße kommen („Walk-in“), horrende Summen. In meinem Fall sollte das Zimmer 150 € kosten, obwohl die Bahn nur 120 € übernimmt.
Praktisch alle buchen auf Booking vorab, dort sind Preise immer günstiger als der Walk In Tarif. Wer nicht vorab online bucht – vielleicht weil der Akku leer ist oder hohe Roaming Kosten fürchtet, hat Pech gehabt.
Kein Vertrauen, kein Handlungsspielraum
Obwohl eine Zusage zur Kostenübernahme vorlag, scheiterte alles an der Kreditkarte. Mit einem Restlimit von 64 € und etwas Bargeld ist man in der modernen Hotelwelt kein Gast mehr, sondern ein Sicherheitsrisiko. „Auf Rechnung“ oder eine menschliche Lösung? Fehlanzeige. Lieber lässt man jemanden auf der Straße stehen, als ein winziges Stück Vertrauen zu riskieren.
Der Rezeptionist hat keinen Verhandlungsspielraum. Ein Student, der sich zum Studium was verdient, bei einen Sicherheitsdienst arbeitet. Er hat Angst um seinen Job, will keinen Ärger. Wo ist der Mut für mehr Menschlichkeit?
Das Schlimmste ist jedoch die soziale Isolation. Kein anderer gestrandeter interessiert sich für dich, jeder ist über sein Zimmer froh, selber schuld, wenn du keinen finanziellen Spielraum hast. Man sitzt da, man wartet, man hofft auf ein Gespräch oder ein Fünkchen Mitgefühl. Der Rezeptionist ist nur mit den zahlenden Gästen beschäftigt. Sobald klar war, dass bei mir kein Geld zu holen ist, wurde ich ignoriert und schließlich vor die Tür geschickt.
Man versucht, sich mit anderen Gästen zu unterhalten, die kommen und gehen, doch niemand will reden. Jeder starrt auf sein Handy oder schaut weg. Und die Städte sind im Winter kalt und leer. Es ist die die Kälte draussen, es ist die gähnende Leere und Langeweile, während man stundenlang einfach nur existiert, ohne dass sich jemand die Zeit nimmt, zuzuhören oder zu helfen.
„Man irrt durch die Stadt, weil niemand mehr bereit ist, einem Mitmenschen zu vertrauen.“
Fazit
Ein Hotel sollte Gastfreundschaft zeigen und eine Lösung finden, statt Reisende vor die Türe zu setzen. Ein renditeorientes Unternehmen kennt da nicht einmal die Deckungsbeitragsrechnung. Wenn das Zimmer leer bleibt, gibt es überhaupt kein Geld. Doch an der Preispolitik wird kompromislos festgehalten. Das thematisiere ich als Reisejournalist in der Honorarfrage
Wenn wir aufhören, miteinander zu reden und nur noch auf Kreditlimits schauen, haben die Hotels etwas Grundlegendes verloren: Die Gastfreundschaft.