Kurtaxe, Bremsklotz oder Motor für den Tourismus

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Eigentlich ist die Logik simpel: Wer eine Destination nutzt, trägt einen kleinen Teil zu deren Erhalt bei. Doch was in der Theorie nach einer fairen Solidargemeinschaft klingt, sorgt in der Praxis zunehmend für Stirnrunzeln beim Gast. Ein aktueller Report von HolidayCheck verdeutlicht das Problem: Die Kurtaxen sind 2025/2026 teils massiv gestiegen; in der Spitze zahlen Urlauber an der Nordseeküste mittlerweile bis zu 5,50 € pro Tag.

Doch während die Preise steigen, bleibt die entscheidende Frage oft unbeantwortet: Wo landet das Geld eigentlich?


Das Bayern-Dilemma: Politisch (un)gewollt, finanziell nötig

In Bayern ist die Kurtaxe (oft als Kurbeitrag deklariert) seit jeher ein Politikum. Lange Zeit war sie politisch nicht gewollt – man fürchtete das Image des „Abkassierens“ in der Alpenidylle. Doch die Realität in den Rathäusern sieht anders aus: Die Kassen sind klamm. Infrastruktur wie gepflegte Wanderwege, Parks, öffentliche Schwimmbäder und das Personal in den Tourist-Informationen kosten Millionen.

Wenn die Mittel jedoch nicht transparent fliessen, wird die Kurtaxe zum Reizthema statt zum Motor für die Region. Es fehlt schlichtweg die Kommunikation der Zweckbindung.

Kurtaxe vs. Übernachtungssteuer: Das Kind braucht einen ehrlichen Namen

Wir beobachten eine Verschiebung: Die klassische Kurtaxe wird immer mehr zur allgemeinen Übernachtungssteuer. Viele Orte ziehen die Gebühr mittlerweile ein, auch wenn sie keine staatlich anerkannten Kurorte sind. Die Kurtaxe ist rechtlich zweckgebunden für die touristische Infrastruktur. Dagegen die Übernachtungssteuer (Bettensteuer) kann im allgemeinen Haushalt versickern. 

Für den Gast ist dieser Unterschied kaum greifbar. Er sieht nur den zusätzlichen Betrag auf der Rechnung.

Das Paradoxon der Geschäftsreisenden

Ein wunder Punkt, den viele Reisende kritisieren: Warum sind Geschäftsreisende oft ausgenommen? Die offizielle Begründung – sie kämen nur zum Schlafen und würden die touristischen Angebote nicht nutzen – ist im Zeitalter von Bleisure (Business & Leisure) überholt. Auch der Business-Gast nutzt nach dem Meeting den Stadtpark, den ÖPNV oder das beleuchtete Stadtzentrum. Wenn wir eine ehrliche Tourismusabgabe wollen, müssen alle Nutzer der Infrastruktur einbezogen werden – aber sie müssen dafür auch denselben Mehrwert erhalten.

Die Gästekarte als „Gesicht“ der Taxe

Der beste Weg, Akzeptanz zu schaffen, ist die Gästekarte. Sie macht aus einer abstrakten Abgabe einen greifbaren Vorteil. Ein herausragendes Argument ist hierbei der kostenlose ÖPNV.

  • Beispiel KONUS (Schwarzwald) oder HATIX (Harz): Hier ist die Fahrt mit Bus und Bahn im gesamten Verbund inklusive.
  • Das Bodensee-Dilemma: Hier muss man genau hinschauen. Während die Bodensee Card West in vielen Orten über die Kurtaxe inkludiert ist, ist die Bodensee Card PLUS ein teures Zusatzprodukt. Solche Namensähnlichkeiten führen zu Verwirrung statt zu Transparenz.

Unsere Forderungen für eine moderne Tourismusentwicklung

Um die touristische Entwicklung wirklich anzustossen, braucht es ein Umdenken in den Kommunen und Hotels:

1. Preisklarheit von Anfang an

Schluss mit der Salami-Taktik! Die Kurtaxe sollte kein Überraschungsposten beim Check-out sein. Der Gast wünscht sich einen Inklusivpreis. Wenn die 3,00 € bereits im Zimmerpreis enthalten sind, wird sie als Teil des Servicepakets wahrgenommen – ähnlich wie das WLAN. Da sollte es keine Rolle spielen, dass die Kurtaxe abgeführt werden muss. Schliesslich gilt das auch für die Mehrwertssteuer. 

2. Transparenzbericht: „Was passiert mit meinem Euro?“

Kommunen sollten jährlich offenlegen, wofür das Geld genutzt wurde.

„Danke für Ihren Beitrag! Mit den Einnahmen 2025 haben wir 10 km Wanderwege barrierefrei ausgebaut und den Takt des Wanderbusses verdoppelt.“ Das schafft Vertrauen und zeigt dem Gast, dass er ein wertvoller Partner der Region ist.

3. Partizipation der Gäste

Warum den zahlenden Gast nicht einbeziehen? Über digitale Gästekarten könnten Urlauber abstimmen, welches Projekt mit den Taxen gefördert werden soll. Das ist gelebter Tourismus auf Augenhöhe.


Fazit

Die Kurtaxe von heute darf keine „Schlafsteuer“ sein. Sie muss als Investitionsbeitrag in die Lebensqualität kommuniziert werden. Wenn wir Transparenz schaffen, den ÖPNV einbinden und ehrliche Preise nennen, wird aus der lästigen Gebühr eine echte Chance für die Destination.

Wie handhaben Sie die Kommunikation der Kurtaxe in Ihrem Betrieb oder Ihrer Kommune? 

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